Foto: alois neuhold „die königin des friedens“,1991, dörfla kapelle

Marienkalender 2001 von Helmut Loder
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Donnerstag | 31.05.2001

"die königin des friedens oder bilder wachsen im schauen"

seit kindheit sind in mir bilder lebendig,
die maria anreden,
einen wesensteil von ihr aussprechen,
nachfragen, nachdenken,
zusammenhänge suchen lassen

hundertemale habe ich sie gehört
die litanei,
die bei jeder maiandacht gebetet wurde
das bitte für uns
kam aus dem herzen,
war mir als kind geläufig
zählen doch bitten und danken
zu den ersten kindlichen erfahrungen

aber die bilder vom goldenen haus,
vom morgenstern,
von der geheimnisvollen rose
diese und andere beschäftigten mich,
regten meine kindliche fantasie an,
lassen mich heute noch fragen und suchen

damals sah ich mich selbst wohnen
im haus aus gold,
fand dort räume für himmlische träume
geborgenheit und schutz
und heute gilt es
sein dach für die seele zu bewahren,
ganz daheim zu sein,
gastfreundlich zu den mitmenschen,
offen, damit er in mir raum findet.

und die sterne faszinierten mich,
die lichtpunkte im dunkel,
wegweiser bei nacht
ich stand am fenster
und schaute erwartungsvoll
dem tag entgegen
aber maria, der morgenstern ?
heute denke ich,
sie hat uns ihn,
das licht, geschenkt
orientierungs- und anhaltspunkt
für unterwegs,
hoffnungsstrom,
ans leben zu glauben
morgenlicht
als täglicher lichtschein von ostern

und die rose,
als kind freude am duft und an den farben,
muttertagsgabe,
schmuck im herrgottswinkel,
blätter für den fronleichnamsweg,
wunderbares kunstwerk der natur,
ausdruck von wertschätzung,
inbegriff liebender zuwendung
einfach schön

und liebenswert
bist auch du, die du dich
als mensch
ganz und gar entfaltet hast
und das geheimnis des göttlichen in dir

einige metapher
aus der lauretanischen litanei
für mich lebendige erinnerung
gewachsen und gewandelt
im lauf der zeit,
impuls zu besinnung,
vergewisserung im glauben,
immer wenn ich die glasfenster
von alois neuhold
in dörfla /gössendorf betrachte
die kapelle
von ihm vor 10 jahren damit ausgestaltet,
ein schauplatz der besonderen art,
stilleraum und kraftort am weg

ein fenster siehst du hier abgebildet
es spricht mich besonders an
die königin des friedens
in einer zeit der kriege und des streites,
der konkurrenz und der ichsucht...

maria,
dein gesicht ist ernst geneigt.
denn friedensspuren sind leise
und im laut unserer welt
kaum wahrzunehmen,
oft mit füßen getreten
durch gier und macht
aber der friede ist und bleibt
ein schlüsselwort
für uns christen
vermächtnis von ihm,
der frieden gestiftet
und uns seinen frieden hinterlassen hat
keiner weiß das besser als du, maria,
du königin des friedens, bitte für uns

sepp faist, Direktor des RPI Graz, (Emailadresse: sepp.faist@rpi.at)

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